Ergebnisse der Untersuchung von Bio-Lebensmitteln
Zusammenfassung aus dem Bericht zum Ökomonitoring 2020

Im Jahr 2020 wurden folgende Themenfelder bearbeitet:

  • Gentechnisch veränderte (GVO) Organismen: Untersuchung von Mais- und Sojaerzeugnissen sowie Honig
  • Rückstände von Pestiziden und bestimmten Kontaminanten in Lebensmitteln pflanzlichen Ursprungs
  • Weitere Schwerpunktuntersuchungen:
    • Herkunft und Echtheit: Überprüfung der Bio-Angabe bei Milch, Milcherzeugnissen und Eiern, u. a. basierend auf der Futtergrundlage des Milchviehs und der Legehennen
    • Bakterielle Krankheitserreger in Käse: Pathogene Keime und Fäkalindikatorkeime
    • Prozesskontaminanten: Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) in Grünkern und Grünkernerzeugnissen
    • 3-MCPD-Fettsäureester und Glycidyl-Fettsäureester in Bratfetten, Bratölen und Margarine

Alle Ergebnisse werden jährlich in einem speziellen Ökomonitoring-Bericht für Baden-Württemberg veröffentlicht. Der Bericht für das Jahr 2020 erscheint, analog zum Bericht für 2019, wieder zweigeteilt – in einer gedruckten, kompakten Kurzfassung und in einer ausschließlich im Internet verfügbaren Langfassung.

Nachfolgend findet sich eine Zusammenfassung der Ergebnisse 2020.

 

Gentechnisch veränderte (GV-) Organismen

Gentechnische Veränderungen sind bei Bio-Lebensmitteln sehr selten nachweisbar. Bei den Untersuchungen in den vergangenen 19 Jahren wurden niemals GV-Anteile über 0,1 % festgestellt. Zwar sind die Verunreinigungen durch gentechnische Veränderungen mittlerweile auch bei konventioneller Ware gering. Deutlichere Unterschiede zwischen „Bio“ und konventionell bestehen jedoch nach wie vor bei Sojaprodukten. Sowohl der Anteil positiver Proben als auch deren Verunreinigungsgrad durch gentechnisch veränderte Soja ist geringer als bei konventioneller Ware. Allerdings ist im Jahr 2020 der Anteil positiver Proben sowohl bei Bio-Soja als auch bei konventioneller Ware gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen.

 

Rückstände von Pestiziden und Kontaminanten in Lebensmitteln pflanzlichen Ursprungs

Im Berichtsjahr 2020 wurden insgesamt 343 Proben pflanzliche Lebensmittel aus ökologischem Anbau auf Rückstände an Pflanzenschutzmitteln und bestimmten Kontaminanten untersucht.

Wie in den Vorjahren schnitten ökologisches frisches Obst und Gemüse auch im Jahr 2020 besser ab als konventionell erzeugte Ware, sowohl bezüglich der Häufigkeit von Rückstandsbefunden als auch der Rückstandsgehalte chemisch-synthetischer Pestizide. Bei 68 % der Proben aus ökologischem Anbau waren keine Rückstände an Pestiziden nachweisbar. Sofern Rückstände festgestellt wurden, lagen die Gehalte überwiegend im Spurenbereich (< 0,01 mg/kg) und damit deutlich unterhalb der Konzentrationen, die üblicherweise nach Anwendung entsprechender Wirkstoffe im Erntegut festgestellt werden können.

Der mittlere Pestizidrückstandsgehalt aller untersuchten Obstproben und aller untersuchten Gemüseproben aus ökologischem Anbau lag bei jeweils 0,004 mg/kg, wenn alle als ökologisch bezeichneten Proben, auch solche mit irreführender Öko-Kennzeichnung, in die Berechnung einfließen. Er lag bei 0,002 bzw. 0,003 mg/kg, wenn die Berechnung unter Ausschluss der beanstandeten Proben erfolgt, bei denen der Verdacht besteht, dass es sich um konventionelle Ware, um einen Verschnitt mit konventioneller Ware oder um hinsichtlich der Pestizidrückstandssituation nicht öko-konform produzierte Ware handelt. Konventionelles Obst enthielt dagegen im Mittel 0,44 mg/kg Pflanzenschutzmittelrückstände (ohne Oberflächenbehandlungsmittel, Phosphonsäure und Bromid), konventionelles Gemüse im Mittel 0,29 mg/kg Pflanzenschutzmittelrückstände (ohne Phosphonsäure und Bromid). Dieser höhere Gehalt an Pflanzenschutzmittelrückständen ist auf den im konventionellen Anbau zugelassenen Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln zurückzuführen, denn nach deren Anwendung sind Rückstände in den behandelten Kulturen häufig unvermeidbar. Ein dichtes Regelwerk sorgt deswegen dafür, dass diese Rückstände kein Risiko für Verbraucher darstellen, sofern die gültigen Höchstgehalte nicht überschritten sind.

Insgesamt hat sich die Beanstandungsquote in den letzten Jahren bei allen frischen Öko-Erzeugnissen auf einem niedrigen Niveau stabilisiert und ist im Laufe von 19 Jahren Ökomonitoring deutlich gesunken. Im Jahr 2020 wurde bei 2 von 66 untersuchten Proben Öko-Obst (3,0 %; Bananen aus Ecuador und der Dominikanischen Republik) und bei 3 von 139 Proben Öko-Gemüse (2,2 %; Knoblauch aus Spanien, Koriander und Petersilienblätter aus Deutschland) die Bezeichnung „Öko“ wegen erhöhter Rückstände an Pflanzenschutzmitteln als irreführend beurteilt. Somit ergibt sich für Öko-Frischware insgesamt eine Beanstandungsquote von 2,4 % für das Berichtsjahr.

Insgesamt lagen die Beanstandungsquoten bei Frischware in den vergangenen Jahren (2011 bis 2019) immer deutlich unter 5 %, während diese Zahlen in den Jahren vor 2010 mit teils bis zu 8,5 % noch deutlich höher lagen. Im Berichtsjahr war somit, wie bereits auch in den Vorjahren, keine Häufung von Beanstandungen bei Öko-Frischware oder sonstige Auffälligkeiten bei einzelnen Kulturen festzustellen.

Bei verarbeiteten Erzeugnissen lag die Beanstandungsquote (irreführende Bezeichnung „Öko“) in diesem Berichtsjahr mit 2,4 % im gleichen Bereich wie der entsprechende Wert bei Öko-Frischware (2,4 %), damit so niedrig wie selten in den vergangenen Jahren und nahezu auf dem Niveau des Vorjahres (2019: 2,6 %). Diese Quote lag bei verarbeiteten Erzeugnissen in den letzten Jahren konstant zwischen 2,2 % und 7,0 %. Zu beachten ist hierbei allerdings, dass bei verarbeiteten Öko-Erzeugnissen von Jahr zu Jahr unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt sowie gezielte, kurzfristige Projekte durchgeführt werden und diese Produktgruppe erst in den letzten Jahren immer stärker in den Fokus rückte. Die Beanstandungsquote ist somit zwischen den Berichtsjahren und auch insgesamt im Verlaufe des Ökomonitoring nur ganz bedingt vergleichbar. Bei den verarbeiteten Lebensmitteln zeigten sich im Jahr 2020 nur vereinzelt auffällige Proben bei Tiefkühl-Kräutern (2x, Dill und Petersilie) sowie bei Gerstengras (1x, getrocknetes Pulver).

 

Echtheitsüberprüfung: Bio-Angabe bei Milch und Eiern

Die unterschiedliche Futtergrundlage der Milchkühe bietet eine Möglichkeit zur Unterscheidung zwischen ökologisch und konventionell erzeugter Milch und lässt auch Rückschlüsse auf die Haltungsform zur Gewinnung von Heumilch oder Weidemilch zu. Die Angaben „Bio“ sowie „Heumilch“ oder „Weidemilch“ wurden bei Milch und Milchprodukten im Labor geprüft. Alle 42 entsprechend ausgelobten Proben waren, wie auch in den vorherigen Jahren, unauffällig.

2020 war bei keiner der 49 Öko-Ei-Proben ein Zusatz des synthetischen Zusatzstoffes Canthaxanthin nachweisbar. Dagegen wurden bei der Analyse dieses Futtermittelzusatzstoffes bei Eiern aus konventioneller Erzeugung in 31 von 32 Fällen positive Befunde erhalten.

 

Bakterielle Krankheitserreger in Käse

18 Käse aus ökologischer und 25 aus konventioneller Herstellung, davon insgesamt 28 aus Rohmilch, wurden mikrobiologisch auf typische, durch Lebensmittel übertragbare bakterielle Krankheitserreger und Fäkalindikatoren untersucht. Salmonellen, verotoxinbildende Escherichia coli, Listeria monocytogenes, Bacillus cereus, Clostridium perfringens und Staphylococcus aureus waren in keiner Probe nachweisbar. Escherichia coli, Indikatorkeim für fäkale Verunreinigung, wurde in zwei konventionell hergestellten Käseproben in hoher Konzentration nachgewiesen. Etwaige Befürchtungen Rohmilchkäse oder Käse aus ökologischer Herstellung könnten häufiger Krankheitserreger aufweisen, bestätigten sich erfreulicherweise nicht!

 

Prozesskontaminanten

Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) in Grünkern und Grünkernerzeugnissen

Insgesamt 25 Proben Grünkern (ganzes Korn), davon 13 aus ökologischer Erzeugung, und 7 Proben Grünkernerzeugnisse (Grieß, Schrot, Mehl), davon eine aus ökologischer Produktion, wurden auf die prozessbedingte Bildung von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) untersucht. In nahezu jeder Probe – außer 2 Öko-Grünkernen – konnten nachweisbare Gehalte an einem oder mehreren PAK(s) festgestellt werden. Höchstgehalte für PAK in Grünkern existieren bis dato noch nicht, so dass zur Orientierung die in der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 festgelegten Höchstgehalte sowohl für Benzo(a)pyren als auch für die Summe an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) für geräuchertes Fleisch herangezogen werden. In allen 32 analysierten Proben lagen diese Gehalte weit unterhalb der herangezogenen Höchstgehalte.

3-MCPD-Fettsäureester und Glycidylfettsäureester in Bratfetten, Bratölen und Margarine

Die Raffination von Speiseölen und Speisefetten ist sowohl für konventionell, als auch für ökologisch erzeugte Produkte zulässig. Im Rahmen des Ökomonitoring 2020 wurden insgesamt 30 Proben Bratfette/Bratöle und Margarine untersucht, davon 12 Proben aus ökologischer und 18 Proben aus konventioneller Erzeugung.

In beiden Gruppen war eine starke Streuung festzustellen, was jedoch weniger an der ökologischen oder konventionellen Herkunft und Erzeugung der Rohstoffe, sondern eher an der Art der Fettraffination und an Unterschieden in der Fettzusammensetzung der einzelnen Proben liegt. Die Höchstgehalte für 3-MCPD-Fettsäureester und Glycidylfettsäureester, welche in der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 festgelegt sind, wurden in keinem Fall (bei keiner Probe) überschritten.